Die Murellenschlucht:
Naturparadies und Erinnerungsort in Berlin
Die Murellenschlucht im Berliner Westen entdecken
Die Murellenschlucht gehört zu den außergewöhnlichsten Naturlandschaften Berlins. Der bis zu 30 Meter tiefe Talkessel mit dem idyllischen Murellenteich liegt in der Ortslage Ruhleben im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, nordwestlich des Olympiageländes. Die während der letzten Eiszeit entstandene Hügel- und Endmoränenlandschaft zählt zu den wertvollsten Naturräumen der Hauptstadt.
Große Teile des Gebietes stehen heute unter Naturschutz. Die bis zu 62 Meter hohen Erhebungen, Trockenrasenflächen, Waldgebiete und Feuchtbiotope bieten zahlreichen seltenen Pflanzen- und Tierarten einen geschützten Lebensraum.
Ein Naturraum mit besonderer Artenvielfalt
Über viele Jahrzehnte war das Gelände nicht öffentlich zugänglich und wurde militärisch genutzt. Dadurch konnte sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln. Seit der Unterschutzstellung im Jahr 1993 gilt die Murellenschlucht als bedeutendes Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der Insektenwelt. Zahlreiche seltene Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten finden in den trockenwarmen Hängen ideale Lebensbedingungen. Auch verschiedene Vogelarten und Kleinsäuger profitieren von den naturnahen Lebensräumen.
Militärgeschichte und Waldbühne Berlin
Die Geschichte der Murellenschlucht ist eng mit der Berliner Militärgeschichte verbunden. Über mehr als 150 Jahre wurde das Gebiet von Militär, Polizei und später den britischen Streitkräften genutzt. Nach dem Abzug der Alliierten übernahm zeitweise die Berliner Polizei Teile des Areals.
Im östlichen Bereich der Schlucht entstand 1936 unter Leitung des Architekten Werner March die heute weit über Berlin hinaus bekannte Waldbühne Berlin. Das Freilufttheater zählt zu den beliebtesten Veranstaltungsorten Deutschlands und lockt jedes Jahr tausende Besucher zu Konzerten und Kulturveranstaltungen.
Erinnerungsort für die Opfer der NS-Militärjustiz
Neben ihrer landschaftlichen Schönheit besitzt die Murellenschlucht auch eine bewegende historische Bedeutung. Während der Zeit des Nationalsozialismus befand sich am nahegelegenen Murellenberg eine Hinrichtungsstätte der Wehrmacht. Hier wurden Deserteure und Menschen hingerichtet, die von der NS-Militärjustiz wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt wurden.
An die Opfer erinnert heute die Installation „Denkzeichen“ der Künstlerin Patricia Pisani, die 2002 errichtet wurde. Die Gedenkstätte macht die Murellenschlucht zu einem wichtigen Ort der Erinnerungskultur in Berlin.
Vom Sperrgebiet zum Naherholungsgebiet
Im Jahr 2007 wurde das rund 38 Hektar große ehemalige Sperrgebiet der Öffentlichkeit als Erholungs- und Naturschutzraum zugänglich gemacht. Noch heute sind Spuren der früheren militärischen Nutzung sichtbar. Schießwälle, Kugelfänge und ehemalige Zaunanlagen erinnern an die Vergangenheit des Geländes.
Trotz dieser Eingriffe entwickelte sich hier eine bemerkenswerte Biotoplandschaft, die heute Spaziergänger, Naturfreunde und historisch Interessierte gleichermaßen anzieht.
Woher stammt der Name Murellenschlucht?
Der Name „Murellen“ beziehungsweise die ältere Form „Morellen“ wird auf die Weichselkirsche (Morelle) zurückgeführt. Auch der nahegelegene Murellenweg erinnert an die einst in diesem Gebiet vorkommenden verwilderten Kirschbäume.
Tipp für Besucher
Die Murellenschlucht lässt sich hervorragend mit einem Spaziergang zur Waldbühne, zum Olympiagelände oder durch den benachbarten Grunewald verbinden. Besonders reizvoll sind die Wege im Frühjahr zur Blütezeit und im Herbst, wenn sich die Hügel in leuchtende Farben verwandeln.
Fotos: Klaus Tolkmitt




